Julia

Drei Monate nach dem Umzug ziehe ich mit Julia an der Majakowskaja zusammen. Rosa Vorhänge mit Spitze, ein Gasherd aus den Achtzigern – egal, ich denke, ich habe meine Traumfrau gefunden. Dann kommt ihr Geburtstag, und ich lerne, wie russische Partys funktionieren: Restaurant für tausend Euro, Geschenke für zwei- bis dreihundert. Am Abend denke ich noch, die will ich heiraten. Am nächsten Morgen provoziert sie grundlos einen Streit. Von da an geht es bergab – bis zu dem Satz, der alles sagt: In Russland zahlt ein Mann für seine Frau.

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Abschied von der Insel

Ein halbes Jahr später steht Julia am Flughafen von Teneriffa – und ich merke, dass ich diese Frau eigentlich gar nicht kenne. Eine Woche Glaswand, Meerblick und Terrasse, dann kullern am Gate die Tränen. Danach stehe ich allein am Medano-Strand und sehe ihrem Flieger nach. New York oder Moskau? Als im September der Vermieter anruft, antworte ich, ohne nachzudenken. Anfang Oktober verlasse ich die Insel bei 30 Grad, mit 180 Kilo Übergepäck und einem Snowboard im Gepäckband.

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Im Garage Klub

Vor dem Klub stehen Streetracer wie aus einem Playstation-Spiel, drinnen erklärt mir ein Immobilienmakler, warum er sein Red-Bull-Geschäft an ein paar schwere Jungs unterschrieben hat. Kryscha – Dach, Schutz. Entweder Geheimdienst oder Mafia, am besten beides. Ab 250.000 Dollar Umsatz bist du auf dem Radar. Zwei Bolschoi-Ballerinen retten den Abend, eine davon die Tochter eines der größten Mafiabosse des Landes. Und am Ende sitze ich mit weichen Knien im Flieger, nach einer Fahrt über den MKAD mit 150 Sachen im Schnee. Moskau ist nichts für mich. Nur Julia geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

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Victor und Victoria

Victor erklärt mir Moskau: Wer Geschäfte machen will, muss hierher – Holz aus den Wäldern, Diamanten aus dem Fernen Osten, alles läuft über diese Stadt. Draußen im Land verdienen die Leute 200 Euro im Monat, hier sind es tausend bis dreitausend. Abends stehen zwei Frauen in der Tür, Pelzmäntel aus, High Heels aus der Handtasche. Victor redet über seine Freundin, als wäre sie nicht im Raum – sie versteht ja kein Englisch. Ich sitze derweil mit einer Gynäkologin auf der Couch, die 200 Euro verdient und nebenher Abtreibungen macht. Und nachts in der Küche lerne ich, wer hier wen unterschätzt.

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Das erste Mal

Fünf Tage Moskau, und ich will schon wieder weg. Niemand lächelt, in den Büros sitzt die Arroganz mit am Tisch, und in jedem Gespräch kommt derselbe Satz: ohne Russisch können wir Sie nicht gebrauchen. Victor sieht das anders. Er schleppt mich abends durch die besten Restaurants der Stadt, macht Mädels in drei Minuten klar und stellt mich als Profisurfer vor. Dann bringt er mich mit einem Tausender am Türsteher vorbei ins Shambala – Privatparty, Rich Kids mit Bentleys draußen, drinnen keiner älter als neunzehn und Gratisdrinks von Papas Geld. Und über uns eine Tanzfläche aus Glas.

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Das weisse Haus. Das russische Parlament. Blick von meinem Zimmer 2003. Heute stehen da hinten Wolkenkratzer mit 365m Höhe.

Aufbruch

Victor holt mich vom Flughafen ab. „Willkommen in Moskau, der Stadt der Sünde“, sagt er. Zwei Stunden fahren wir durch graue Vorstädte voller Plattenbauten. Je näher wir dem Zentrum kommen, desto eleganter die Häuser, desto teurer die Autos – Ladas neben Luxuskarossen mit Blaulicht. Als wir im Stau stehen, fährt unser Chauffeur einfach auf den Gehweg. Eine Frau mit Kinderwagen springt erschrocken zur Seite. Ich bin schockiert, Victor sagt nur: „Zeit ist Geld.“ Willkommen in einer Welt, die nach ihren eigenen Regeln spielt.

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Berlin 2008

Eine Frau mit Klasse

Berlin 2008: Anika, eine vermeintlich perfekte Frau, zieht in die WG meines Freundes. Ärztin, Pilotin, wohlhabend und charmant – sie beeindruckt alle. Doch hinter ihrer Fassade häufen sich Widersprüche: von angeblichen Reisen nach New York, die sie nie antritt, bis hin zu unbezahlten Mieten und falschen Identitäten. Als sich ihr Netzwerk aus Freunden und Bekannten auflöst, wird klar, dass Anika nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Am Ende bleibt nur die Frage: Wer war sie wirklich?

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Sexy woman in underwear

Puffbesuch, Strassenstrich und Dominas

Sex auf Zeit für 100 Euro? Nicht mein Ding. Beim Sex will ich Leidenschaft und Zärtlichkeit, ohne auf die Uhr zu schauen. Einmal betrunken in so einen Laden zu stolpern und den Wert eines 5-Sterne-Urlaubs zu versaufen und zu verf…, nur um nicht mal zu kommen? Nein, danke. Dann lieber die Finger von Straßenstrich und Puff lassen. Auch die wenigen Male, die ich es ausprobierte, waren Enttäuschungen – von hygienisch fragwürdigen Matratzen bis zu monotonen Begegnungen. Was bleibt? Die Suche nach Abwechslung, nach jemandem, der heute Porno und morgen Kuscheln kann.

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Schminkwunder

Manchmal wäre es besser, eine Nutte zu bezahlen, die danach von selbst geht, statt neben einer Frau aufzuwachen, die ihren Glanz verloren hat. Ihr Make-up ist runter, der Popo doppelt so groß ohne engen Rock, und ihre Beinbehaarung hat dir wunde Stellen verpasst. Während du mit Kater und Realität kämpfst, rückt sie näher, spricht von „uns“ und „wir“. Ein Abschiedsküsschen später schwörst du dir, vorsichtiger zu sein. Doch auf der Straße, mit der Mittagssonne im Gesicht, denkst du nur: Wo bin ich überhaupt? Und warum habe ich vergessen, aufs Klo zu gehen?

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