Ein halbes Jahr später steht Julia am Flughafen von Teneriffa – und ich merke, dass ich diese Frau eigentlich gar nicht kenne. Eine Woche Glaswand, Meerblick und Terrasse, dann kullern am Gate die Tränen. Danach stehe ich allein am Medano-Strand und sehe ihrem Flieger nach. New York oder Moskau? Als im September der Vermieter anruft, antworte ich, ohne nachzudenken. Anfang Oktober verlasse ich die Insel bei 30 Grad, mit 180 Kilo Übergepäck und einem Snowboard im Gepäckband.

Ein halbes Jahr später, im August, fahre ich in den Süden Teneriffas, um Julia vom Flughafen abzuholen. Wir haben uns in den letzten Monaten viele E-Mails geschickt und oft telefoniert. Wie wird wohl das Wiedersehen sein? Ich kenne sie eigentlich gar nicht. Sie ist ganz schön mutig, einfach so ins Ungewisse zu fliegen. Als wir uns am Terminal wiedersehen, umarmt mich Julia, und wir küssen uns. Da ist es wieder, dieses Gefühl. Alles ist gut.

Meine Wohnung im Norden imponiert ihr. Die Zimmer haben alle eine Glaswand mit Blick aufs Meer. Der Strand liegt direkt vor uns, und meine Terrasse ist dreimal so groß wie das Apartment selbst.

»Und das ist das Gästezimmer«, sage ich, als ich Julia herumführe.

»Dann schlafe ich hier«, sagt Julia, und ich bin mir nicht sicher, ob das eine Frage oder eine Aussage ist.

»Nein«, sage ich, »du schläfst natürlich bei mir im Zimmer.«

Die Woche, die wir zusammen verbringen, vergeht wie im Flug. Julia kullern ein paar Tränen herunter, als wir uns am Flughafen verabschieden.

»Wann treffen wir uns wieder?«, fragt sie.

»Keine Ahnung, kann ich noch nicht sagen. Im Moment bin ich immer noch ein wenig planlos.«

Dann ist Julia auch schon auf dem Weg. Ich stehe mit meinem Wagen am Medano-Strand und schaue ihrem Flieger beim Abflug zu. Danach fahre ich zurück in den Norden. Als ich über die Hügel komme, geht im Westen gerade die Sonne unter. Sie fällt, wie fast jeden Tag, in den Atlantik, gefolgt von einem roten Glühen am Himmel. »Soll ich zurück nach New York?«, denke ich. »Oder doch nach Moskau?« Ich kann mich nicht entscheiden und bleibe erst mal hier. Geld habe ich noch genug.

Ende September ruft mein Vermieter an. »Und?«, fragt er. »Verlängerst du den Mietvertrag noch einmal für ein Jahr?«

Spontan sage ich: »Nein, ich ziehe nach Moskau.«

Nach dem Gespräch telefoniere ich mit Victor und frage ihn, ob ich bei ihm wohnen kann, bis ich einen Job und eine Bleibe gefunden habe.

»Na klar!«, meint er. »Das sind tolle Neuigkeiten. Wir werden eine Menge Spaß haben.«

Danach buche ich meinen Flug. Meine Sachen müssen allerdings erst mal zu meiner Mutter nach Bamberg, denn ich reise ins Ungewisse. Wer weiß, wie lange ich in Moskau bleiben werde?

Anfang Oktober verlasse ich Teneriffa mit 180 Kilo Übergepäck. Draußen scheint die Sonne, und es hat immer noch 30 Grad. Die anderen Touristen staunen nicht schlecht, als ich auf Teneriffa unter anderem ein Snowboard aufgebe.

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